Corona im Landkreis Forchheim


Zahlen und Statistiken sind ein wichtiges Hilfsmittel der Politiker, um uns zu vermitteln, wie gefährlich der Corona-Virus sei. Doch jeder, der den Spruch "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast." kennt, weis wie leicht man mit unvollständigen oder falsch ermittelten Daten eine Analyse manipulieren kann. Daher recherchiere ich gerne selbst und versuche mir ein Bild zu machen.

Eine meiner Informationsquellen ist die Homepage des Landratsamtes Forchheim [1]. Hier findet man die "Informationen zum neuartigen Coronavirus" die mit Ausnahme des Wochenendes oder von Feiertagen täglich aktualisiert werden. Offenbar werden die Untersuchungsergebnisse von Coronatests auch an das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit [2] weitergeleitet. Hier findet man aufwändige Zahlentabellen und Grafiken, die sich täglich ändern und die Informationen für ganz Bayern darbieten. Hier findet man auch den "7-Tage-Inzidenzwert", der für viele politische Entscheidungen verantwortlich ist. Leider kann ein Normalbürger diesen Wert nicht selber errechnen, da sich die Datenbasis während der Gültigkeitsdauer verändern kann. Selbst eine tägliche Datensicherung hilft nicht. Lediglich eine grobe Abschätzung ist möglich. Mittlerweile verweist das Landratsamt Forchheim beim "7-Tage-Inzidenzwert" nicht mehr auf die Homepage des LGL [2], sondern auf eine Infoseite des Robert Koch-Instituts [5].

Die nachfolgenden Grafiken basieren auf Zahlen, die ich seit Mitte Oktober 2020 erfasse. Da an Wochenenden nicht alle relevanten Daten zur Verfügung stehen, werden sie interpoliert und man erhält somit eine durchgehende Linie. Generell fallen die vielen Zacken und Schwankungen am Wochenstart auf. Grund dafür ist die ungleichmäßige Erfassung und Auswertung der Daten durch das Landratsamt.


Als erstes sieht man die Gegenüberstellung "Nachgewiesene Infektionen und Genesene".


Nachgewiesene Infektionen und Genesene im Landkreis Forchheim

Man kann leicht erkennen, dass die Kurven stetig steigen. Der größte Anstieg war Mitte/Ende Dezember 2020. Im Januar 2021 beginnt sie zu fallen. Zu keinem Zeitpunkt ist eine exponentielle Steigerung bei den "Nachgewiesenen Infektionen" erkennbar.


Die meist beachteste Grafik ist die Auswertung "Aktuell Infizierte und 7-Tage-Inzidenzwerte". Sinn und Zweck des "7-Tage-Inzidenzwertes" ist eine Art der Mittelwertbildung, um die Datenerfassungslücken an den Wochenenden zu überbrücken. Rein "optisch" wird die Kurve dadurch ein wenig "glatter".


Aktuell Infizierte und 7-Tage-Inzidenzwerte im Landkreis Forchheim


Die folgende Grafik beschreibt die Letalität bzw. Sterbequote und bezieht sich somit auf die Anzahl der Todesfälle. Da seit Beginn der Corona-Auswertungen die Zahl der "mit Corona" verstorbenen Personen nicht bekannt ist, muß man die Zahlen eher als "Worst Case" oder "Ungünstigster Fall" betrachten.


Sterbeqoute und Sterbefälle im Landkreis Forchheim


Die folgende Übersicht zeigt die Belegung der Intensivbetten [3]. Deutlich sieht man, das diese nur zu einem Bruchteil von Corona-Patienten belegt sind. Ein kritische Phase war Mitte/Ende Dezember 2020. Allerdings hätte man potentiell die Zahl der Intensivbetten noch steigern können.


Belegung der Intensivbetten im Landkreis Forchheim


Wenn in den öffentlichen Medien darüber berichtet wird, dass die medizinische Versorgung "hart an der Grenze" arbeite, muß man schon genauer die Argumente analysieren. Offensichtlich ist die Zahl der Intensivbetten ausreichend, aber das medizinische Personal ist mehr als ausgelastet [4]. Dieses Problem ist leider nicht neu. In Zeiten der Kostenoptimierung werden ganze Krankenhäuser geschlossen und die Belegschaft reduziert. Ein Thema über das Politiker und Gesundheitsminister nicht gerne reden.

"Am Klinikum Forchheim wurde die Anzahl der Intensivbetten mit Beatmungsgeräten auf der Intensivstation im April 2020 von sieben auf zwölf erhöht.", so wurde in der NN am 14.6.2020 berichtet. Weiterhin konnte man lesen "Außerdem stehen eine Station für Verdachtsfälle und eine Station für bestätigte Fälle zur Verfügung - mit je 40 Betten, die jeweils mit Überwachungsmonitor und mobiler Beatmung ausgestattet sind". Diese teilte Kathrin Schürr, Pressesprecherin am Landratsamt mit.
Was das Landratsamt leider nicht mitteilt ist die Auslastung des Klinikums. Wie viele Patienten kamen wegen Corona in die Klinik und wie viele mußten auf der Intensivstation behandelt werden? Wie viele Todesfälle waren zu beklagen?

Die letzte Frage möchte ich erweitern. Laut Zeitungsberichten starben 42 Menschen in Alters- und Pflegeheimen des Landkreises. Warum wurden sie nicht im Klinikum behandelt? Oder handelt es sich nicht eher um Mitbürger, die "mit" Corona starben und nicht "an" Corona. Was ist mit den übrigen Todesfällen, deren Zahl das Landratsamt brav auf seiner Homepage veröffentlicht? Wurden sie klinisch behandelt und zu welcher Altersgruppe gehören sie?

Die nachfolgenden Grafiken sind ein Versuch herauszufinden, wie viele Patienten in der Intensivstation des Klinikum Forchheim behandelt wurden und wie viele Personen leider verstarben.
Die erste Balkendiagramm zeigt die Anzahl der aktuellen Covidfälle (orange). Der Anteil von beatmeten Patienten wird durch rote Balken markiert.
Das zweite Balkendiagramm zeigt die Veränderung der Belegungszahlen. Gelbe Balken stellen die Zugänge dar und die blauen die Abgänge.
Beim dritten Balkendiagramm werden die Abgänge bewertet. Gab es am Tag eines Abganges keinen Todesfall im Landkreis, kann man von einer erfolgreichen Entlassung eines Patienten aus der Intensivstation ausgehen (siehe 13.11.2020, grüner Balken). Meldete das Landratsamt am Tag eines Abganges einen Todesfall, so muß man mit einem verstorbenen Patienten auf der Intensivstation rechnen (siehe 17.12.2020, lila Balken).

Belegung der Intensivbetten im Landkreis Forchheim

Bei meiner Schätzung gehe ich von verschiedenen Annahmen aus z.B. kein Zugang und Abgang von Patienten am gleichen Tag oder korrekte Datumsangabe der Todesfälle auf der Homepage des Landratsamtes. Daher kann ich die Zahlen nur unter Vorbehalt nennen.

Covid-Patienten: 19
Genesen: 8
Verstorben: 10 (maximal)

Ingesamt gab es im Landkreis Forchheim 93 Todesfälle im Zeitraum vom 16.10.2020 - 5.3.2021.
Das bedeutet, dass die meisten Corona-Patienten nicht im Klinikum Forchheim verstarben.
Meine These heißt daher "Die meisten Corona-Patienten starben mit und nicht an Corona".

Fazit
Die vier Zahlenwerte auf der Homepage des Landratsamtes Forchheim sind ein sehr mageres Informationsangebot. Viele wichtige Daten fehlen, um beurteilen zu können wie "schlimm" die sogenannte Pandemie im Landkreis "wütet". Vor allem Referenzwerte zu den vorangegangenen Jahren fehlen komplett. Eine Wirksamkeit von Maßnahmen (z.B. Maskenschutz, Ausgangsbeschränkung) kann ich nicht erkennen.

RKI-Daten
Das Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard bietet eine Fülle von Daten, die das Landratsamt Forchheim nicht bietet. So zum Beispiel eine Darstellung der Altersgruppe und Geschlecht von "COVID-19-Fällen". Allerdings ist die Einteilung der Altersgruppen nicht geeignet um weitere Vergleiche anzustellen. Dafür wäre ein 10er Schritt bei der Altersgruppe vorteilhaft, so wie es die LGL [2] praktiziert. Meines Erachtens geht das RKI von bestimmten Annahmen aus, stellt aber keine Erklärung bereit oder will einfach eine weitere Analyse erschweren.
Was sich auf alle Fälle aus den Balkendiagrammen herauslesen läßt, ist der hohe Anteil der älteren Bevölkerung bei den Todesfällen. Auch die Mortalität bzw. Sterbequote bezogen auf die COVID-19-Fälle ist sehr hoch (ca. 26%). Natürlich muß man die höhere Sterberate bei der älteren Bevölkerungsgruppe noch berücksichtigen. Daher werde ich noch weitere Analysen erstellen.
Die Daten der folgenden Diagrammen stammen vom 17.3.2021 und beziehen sich auf den Landkreis Forchheim.

COVID-19-Fälle nach Altersgruppe und Geschlecht
COVID-19-Todesfälle nach Altersgruppe und Geschlecht
COVID-19-Todesfälle nach Altersgruppe und Geschlecht


Zur Ergänzung möchte ich noch eine Auswertung von ganz Franken zeigen, auf der man sehr gut sehen kann, dass die Verhältnisse bei den Todesfällen nach Altersgruppe vergleichbar ist.

COVID-19-Todesfälle nach Altersgruppe in Franken


Erkenntnisse
In Bayern gabe es bislang laut LGL [2] 12.616.852 PCR-Tests und 470.329 Fälle von "Coronavirusinfektionen". Rein rechnerisch wurden alle bayerischen Bürger getestet. Viele wurden also schon mehrfach erfasst bzw. nachgetestet. Das Problem mit Dunkelziffern und den damit verbundenen Risiken ist also nur noch gering. Trotzdem setzt man die sinnlosen Maßnahmen wie Maskenzwang, Testpflicht und Kontaktbeschränkungen für alle Bevölkerungsgruppen fort. Es ist offensichtlich, dass ausschließlich ältere Menschen gefährdet sind. Aber ausser einer risikoreichen Impfung fällt unseren Politikern nichts ein.

Reiner Pracht

Erstveröffentlichung am 08.01.2021
Update am 16.01.2021
Update am 24.01.2021
Update am 29.01.2021
Überarbeitung am 03.02.2021
Update am 05.02.2021
Update am 06.02.2021
Update am 12.02.2021
Update am 19.02.2021
Update am 26.02.2021
Update am 27.02.2021
Update am 05.03.2021
Update am 06.03.2021
Update am 12.03.2021
Update am 19.03.2021
Update am 20.03.2021
Update am 21.03.2021
Update am 26.03.2021
Update am 03.04.2021
Update am 16.04.2021
Update am 29.04.2021

Referenzen

[1] Homepage des Landratamtes Forchheim "Informationen zum neuartigen Coronavirus"
[2] Bayerisches Landeamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit - Übersicht der Fallzahlen von Coronavirusinfektionen in Bayern
[3] Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) e.V.
[4] Nordbayerische Nachrichten: "Corona: So ist der Alltag auf der Intensivstation im Klinikum Forchheim"
[5] Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard